Auf Grund mancher Kommentare zu dem letzten Artikel und auch zu Artikeln die schon länger zurück liegen muss ich mal was los werden.
Ich habe für mich die Beobachtung gemacht das die Grundstimmung im “Proletariat” gegenüber Arbeitgebern eher negativer Natur ist. Die meisten gehen davon aus das alle Chefs, Geschäftsführer und wie sie sich alle betiteln wollen skrupellose, geldgierige und machthungrige Egoisten sind, denen das gesundheitliche ebenso wie das finanzielle Wohl ihrer Angestellten völlig egal ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber ob die Menschen gerne für sie arbeiten, ob die Rahmenbedingungen stimmen, der Arbeitsplatz arbeitnehmerfreundlich eingerichtet ist, die sozialen Einrichtungen einen gewissen Wohlfühleffekt haben und ob die Arbeitszeiten des einzelnen kompatibel mit Familie und privaten Umfeld sind. Sie geben den Angestellten das Gefühl das sie nur ein kleines unbedeutendes Zahnrad im Getriebe sind, das einfach ausgetauscht werden kann.
Bis vor gut zwei Jahren gehörte ich auch dazu. Ich kannte Arbeitgeber in der Tat nur als Geschäftsleute, die immer den Gewinn und dessen Optimierung im Auge hatten. Sobald der Ertrag mal nicht den Erwartungen entsprach wurden schnell ein paar Leute entlassen, auch wenn die Firma eigentlich gesund war. Doch wenn im Plan 5% Gewinn standen doch statt dessen nur 3% heraus kamen wurde halt an den Rädchen zur Gewinnoptimierung gedreht.
Dann habe ich bei dem wahrscheinlich besten Chef angefangen, den man sich nur denken kann. Er ist sich seiner sozialen Verantwortung gegenüber seinen Angestellten mehr als bewusst. Nicht nur, das er mich überaus großzügig für meine Arbeit entlohnt, nein, er ist auch bestrebt das ich mich an meinem Arbeitsplatz wohl fühle. Der Junioschef hat mal sinngemäß gesagt :” Wir versuchen immer die Arbeit in mundgerechte Happen aufzuteilen, damit ihr euch nicht verschluckt und die Verdauung stimmt.” Und das machen die wirklich!
Unser Chef ist immer darum bemüht das es seinen Leuten gut geht, in jeder Hinsicht. Er gibt uns immer das Gefühl das er dankbar ist für z.B. mehr geleistete Stunden oder für besonderes Engagement. Er lässt uns spüren das wir nicht einfach eine Nummer sind und nur ein weiterer Kostenfaktor, sondern das er uns als Individuen wahr nimmt. Auch interessiert er sich für unser privates Leben und will teil haben an unserem Leben. Das spiegelt sich z.B. darin wider das die Weihnachtsfeier in seinem privaten Wohnzimmer statt findet, immer mit Partner.
Daher habe ich mich auch sofort bereit erklärt nächste Woche, wo ich eigentlich schon Urlaub habe, noch drei Tage für ein paar Stunden zu arbeiten, um administrative Aufgaben zu erfüllen. Wir haben momentan nun mal einen durch Krankheit bedingten personellen Engpass wo es für mich selbstverständlich ist ihn nicht hängen zu lassen. Auch wenn ich zur Zeit ziemlich ausgebrannt bin.
Also Freunde, was ich damit sagen will: Es ist richtig das die meisten Firmeninhaber, Chefs und Geschäftsführer nur noch Dollarzeichen in den Augen haben und denen das Wohl des Angestellten oder Arbeiters auf deutsch gesagt am Arsch vorbei geht aber es gibt sie immer noch. Die Chefs, die sich um ihre Angestellten kümmern, sie umsorgen und die nicht vergessen haben das eine Firma auf lange Sicht nur existieren kann wenn die Beschäftigten mit voller Kraft hinter ihm stehen, weil sie sich mit der Firma, dem Produkt und vor allem mit der Einstellung des Vorgesetzten identifizieren können.
Wie mein Job aussieht, was ich im Endeffekt arbeite, ob ich am offenen Herzen operiere oder mit der Schaufel in der Hand im Graben stehe und irgendwelche doofen Rohre verlege ist für mich egal. Denn jede Arbeit, sei sie noch so anspruchsvoll, wird irgendwann ein Stück weit zur Routine und damit langweilig. Das Betreibsklima muss neben der Bezahlung stimmen! Ich muss das Gefühl haben gebraucht und ernst genommen zu werden. Ich muss mich wenn ich Morgens aufstehe auf meine Kollegen freuen, auf den Spaß mit und durch meine Kollegen. Ich muss wissen, das mein Chef hinter mir steht und nicht nur nach Gründen sucht um mich bei der nächsten Lohnrunde im Preis zu drücken. Dann gebe ich ganz automatisch mehr als hundert Prozent in meiner täglichen Arbeit und die Firma wächst und gedeiht wie von allein.
Im übrigen hat mir mein Chef noch nie einen Fehler vorgehalten, wenn ich z.B. ein Rücklicht kaputt gefahren habe oder eine Palette an die falsche Adresse lieferte. Dann wird das Problem kurz angesprochen und nach einer Lösung gesucht. Fehler macht halt jeder, “wo gehobelt wird da fallen auch Späne”, und es ist nur kontraproduktiv Zeit mit Vorhaltungen und Schuldzuweisungen zu vergeuden.
Fazit: Ich liebe meine Arbeit, ich geniesse unser Betriebsklima und ich sehe meinen Chef als einen Freund, auf den ich mich verlassen kann so wie er sich auf mich verlassen kann. Und darum gehe ich gerne nächste Woche während meinem Urlaub noch ein paar mal arbeiten, auch wenn ich ausgebrannt bin und absolut keine Lust habe.
Könnt ihr das verstehen?
PS: nur mal amRande – die Rechtschreibprüfung hat mir soeben mitgeteilt das das Wort “arbeitnehmerfreundlich” falsch sei, als Vorschlag steht dann im Kontextmenü “arbeitnehmerfeindlich”! Das sagt verdammt viel aus über die Kultur in unserer schönen Bananenrepublik!




sehr schön, luigi. kann ich voll und ganz unterschreiben. auch ich mache meinen job gerne und habe einen chef, mit dem man(n) pferde stehlen kann. auch bei privaten problemen hat er immer ein offenes ohr. zusätzlich ist auch bei uns nicht alles nur auf “kohle machen” ausgerichtet, sondern der arbeitnehmer wird in entscheidungen mit einbezogen und darf/soll auch mit entscheiden.
so etwas schafft natürlich ein ganz anderes betriebsklima und jeder ist wirklich motiviert. auch privat unternehmen wir alle sehr viel miteinander. gleich gehts zum beispiel mit 8 leuten zum truck grandprix aufm nürburgring. chef fährt natürlich mit und…. bezahlt auch die eintrittskarten.
@hans: Cool! dann wünsch ich viel Spaß dabei! Wir planen einen Sonntag auf der Cartbahn. Da wirds bestimmt auch hoch her gehen!
Ich weiss wohl, dass es solche Chefs gibt, hatte ich doch über Jahre selbst so einen. Ich bekam sogar teure Parfums und riesengroße Blumensträuße zum Geburtstag, kleinere Sträuße als Begrüßung wenn ich aus dem Urlaub kam… Es war wirklich nur eine reine Angestellten-Chef-Beziehung, nicht mehr, aber auf höchstem Niveau. Im Umkehrschluss hab ich natürlich auch mal hier und da ein Auge zugedrückt und Dinge getan, die nicht zu meinem Aufgabengebiet gehörten und für die ich auch nicht entlohnt wurde: So manche Überstunde ohne Aufforderung mal eben rangehängt weils dem Laden diente, u.s.w….
Irgendwann liefs nicht mehr so wie er wollte. Nicht mit mir, sondern mit dem Geschäft. Rechnungen konnten nicht mehr bezahlt werden, als Folge wurde nur noch gegen Vorkasse geliefert. Da aber das Geld dafür fehlte, nahm der Warenbestand ab, das Angebot minimierte sich also, Kunden konnten nicht mehr in der von ihnen gewohnten Weise bedient werden.
Eine ganze Weile konnte ich meine zahlreichen Stammkunden bei der Stange halten, eigentlich sogar erstaunlich lange. Aber irgendwann sind sie halt auch woanders hingegangen, die Einnahmen wurden also noch kärglicher, das Wasser stand Cheffe buchstäblich bis zum Hals. Das ich in dieser Zeit freiwillig auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet habe sei hier nur nebenbei erwähnt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Er musste weiter Personal reduzieren und ich war mittlerweile seine einzigste Kraft und zu lange angestellt um ohne Abfindung entlassen werden zu können.
Da zeigte er mir seine andere Seite. Er mobbte mich nicht nur monatelang bis aufs Äüßerste, er versuchte sogar mich zu nötigen sodaß ich mich gezwungen sah einen Anwalt einzuschalten.
Der Rest ist unschöne Geschichte, über die ich mich hier nicht weiter auslassen will.
Btw: Übrigens finde ich Deinen Einganssatz mit dem Proletariat nicht so passend. Sowas wie mir passiert ist findet nämlich auch auf höchsten Ebenen statt, und das ganz aktuell. Lies mal den Wirtschaftsteil einer Zeitung, natürlich nicht der BLÖD o.ä.
Freu Dich das Du im Moment einen wunderbaren Arbeitsplatz hast, an dem Dir das Arbeit Spaß macht und genieße diese hoffentlich noch recht lange Zeit, das wünsch ich Dir!
Liebe Grüße,
Flocke
@Flocke von Kroetengruen: Den ersten Satz habe ich so gewählt weil ich mihc auf den höheren Ebenen nicht so auskenne. Die meisten aus meinem Umfeld gehören eher zur arbeitenden Bevölkerung. Daher konnte ich schlecht schreiben das es auf allen Ebenen so ist, da ich die anderen nicht kenne
Nun stell mal Dein Licht nicht untern Scheffe (l) @Luigi:
Hey Glückwunsch zu diesem Chef
Leider bin ich bei miener Arbeit nur eines dieser kleinen Zahnräder. Arbeite aber gerade an was um das zu ändern. Ich hoffe ich bekomme eine Stelle bei der neuen Firma
Viel Spaß im Urlaub
@Roberto: Dann wünsch ich dir viel Glück bei der Bewerbung! Spaß werden wir haben!
Arbeit ist das beste was es gibt – wenn man einen JOb hat in dem man das macht, was man gerne machen möchte – und sich zum Beispiel selber verwirklichen kann!
Naja, es gibt solche und solche Chefs. Man kann glücklich sein, wenn man mit seinem Chef so gut auskommt wie du. Aber das kann sich auch ganz schnell ändern, wenn die Umsätze nicht mehr stimmen, wie oben beschrieben. Letztendlich sind die meisten Arbeitsverhältnisse nur zustandegekommen, um gemeinsam Geld zu verdienen und nicht weil man gemerkt hat, dass man besonders viel gemeinsam hat. Das sollte man niemals vergessen.
Ich kann da nur zustimmen! Mein Chef ist einfach super und somit macht mir der Job auch sehr viel Spaß!
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