Auch der Tot gehört zum Leben dazu

Vor ein paar Wochen erhielt ich die Möglichkeit über einen Arbeitskollegen Kaninchen zum Verzehr zu bestellen. Der Kollege hat einen Kumpel mit einem ca. 6000 m² großen Grundstück, auf dem er allerlei Tiere hält. Neben Gänsen, Enten, einem Pony und Hühnern halt auch Kaninchen.

Als ich zu Hause berichtete das ich leckere Kaninchen bekommen kann fragte mir unser Sohn Jonas natürlich Löcher in den Bauch: “Sind die schon geschlachtet?” “Schlachtest du die?” “Kann ich beim schlachten mit dabei sein?” “Ich würde auch gerne eins schlachten!”
Ein kurzes Telefonat mit meinem Kollegen und ich konnte dem Jonas grünes Licht geben. Wenn er wolle könnte er beim schlachten dabei sein und eventuell auch selber Hand anlegen. Er war begeistert und Heute Vormittag war es dann soweit.
Wir fuhren zum Rainer, dem Kleintierzüchter. Leider hatte er nur ein schlachtreifes Kaninchen da, so dass Jonas nur zugucken konnte.

Es war das erste Mal für ihn zu sehen wie ein Kaninchen geschlachtet wird. Auch wenn er zu keinem Zeitpunkt Ekel oder Trauer zeigte wurde er doch nachdenklich und ruhiger als üblich. Ich erklärte ihm das wir das Tier ja nicht aus reiner Mordlust getötet haben sondern weil wir es essen wollen und das dies nun mal normal ist das Tiere sterben um uns zu nähren. Das verstand er und ich glaube ich nervte ihn auch ein wenig mit meinen Erklärungen. Ich bin mir nicht sicher ob er so ruhig war weil ihm das Schlachten doch nahe ging oder er einfach nur nach einer gewissen Zeit leicht gelangweilt war.

Auf jeden Fall freut er sich auf Morgen – da gibts Kaninchenbraten mit Kartoffeln und Gemüse.

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6 Kommentare

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  2. Puh, sehr zweischneidiges Schwert. Mich macht nachdenklich, dass Jonas so scharf darauf war, auch eins zu schlachten. Genau so könnte man ja einem Kind auch erklären: “Dieser Mensch war böse, deshalb bekommt er jetzt die Todesstrafe.” Würde ein Kind sicher “verstehen”. Und wenn dann die Frage kommt: “darf ich den Menschen hinrichten?” – was dann?

    Ich bin kein Vegetarier, aber ich habe schon ein kritisches Verhältnis zum Töten von (höheren) Lebewesen – z.B. weil man sein Steak auf dem Teller haben will. Und mir ist durchaus bewusst, dass wir Tiere züchten, um sie zu essen, nachdem wir sie “erledigt” haben.

    Der Tod gehört sicher zum Leben dazu, aber die bewusste Tötung gewiss nicht. Klar, es gibt Metzger, weil auch ich gerne mal Fleisch esse, aber wenn man das hinterfragt, gehen einem irgendwann die Antworten aus. Die Faszination, die Jonas an den Tag gelegt hat, als es um die persönliche Teilnahme am Schlachten ging, finde ich schon ziemlich verstörend.

    • Er war nicht von dem Schlachten, dem Töten fasziniert sondern einfach neugierig wie das gemacht wird. Er ist sehr interessiert an den Naturwissenschaften und ich denke das er einfach mal wissen wollte wie das mit dem Fell abziehen und dem ausnehmen geht. Da war keine Mordlust sondern sehr viel Nachdenklichkeit und Stille.
      Er hat auch gefragt ob das Kaninchen Schmerzen hat, ob es spürt das es zu Ende geht usw.
      Ich bin davon überzeugt das es seiner Entwicklung nicht geschadet hat.

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