Stimmen zur Migration von Ausländern

Die Tage bekam ich ein Exemplar der Jugendzeitschrift “Spiesser” in die Hände und da ich grad nichts besseres zu tun hatte blätterte ich drin herum. Das Titelthema beschäftigte sich mit der Migration von jungen Menschen aus aller Herren Länder. Der Artikel war sehr interessant, vor allem die Statements der Jugendlichen. So bekommt man mal einen groben Eindruck was in diesen Leuten vor sich geht, was sie denken und wie sie die Problematik sehen, wenn es denn eine gibt.

Ziemlich am Ende des Artikels waren dann auch ein paar Äußerungen führender Politiker zu dem Thema zu lesen, die mir erst die Schamesröte ins Gesicht zauberten und dann die Zornesröte. Wie kann einer der uns, das Volk, vertritt so etwas von sich geben? Sind die Verlautbarungen von Herrn Beckstein und Herrn Schäuble nur als Stammtischparolen zu werten oder meinen die das etwa ernst was die da blubbern? Und wenn es nur als hohle Parolen ohne Nachdenken aus ihnen gesprudelt ist, sind die dann noch tragbar für das deutsche Volk?

“Da braucht es kein Gericht, die ganze Sippschaft gehört hinaus.”
(Günther Beckstein, CSU)

“Die einzigen Ausländer, die wir gekannt haben, waren die Indianer aus den Büchern von Karl May.”
(Wolfgang Schäuble, CDU)

Da sind die Bemerkungen von unserer Bundeskanzlerin und Herrn Volker Beck schon besser.

“Wenn türkischstämmige junge Leute hier in der dritten, vierten Generation aufwachsen, wenn sie zum großen Teil die deutsche Staatsbürgerschaft haben, dann bin ich ihre Bundeskanzlerin.”
(Angela Merkel, CDU)

“Hier wird ein Wissen abverlangt, über das die meisten Deutschen wohl erst verfügen, wenn sie ein Semester Staatsrecht studiert haben.”
(Volker Beck, die Grünen zum vorgeschriebenen Einbürgerungstest)

Hier noch ein paar Zitate von jungen Menschen, die es unmittelbar betrifft:

“Integration bedeutet für mich nicht, dass man, wenn man verliebt ist, erst heiraten muss, um in einem Land wie Deutschland gemeinsam leben zu können.”
(Luciana, 25, Brasilianerin und lebt in Cottbus)

“Migranten die deutsche Kultur mit Gewalt einzubläuen, finde ich nicht gut.”
(Tim, 16, Vater aus Mosambik, seit 1986 in Deutschland)

“Migranten werden ständig in eine Schublade gesteckt.”
(Svitlana, 17, aus der Ukraine)

“Es sollte überhaupt keine Diskussion über eine bessere Integration geführt werden.”
(Nadine, 20, muslimische Vorfahren)

“Politik und irgendwelche Integrationsprogramme können nicht helfen – jeder muss sich selbst kümmern, um akzeptiert zu werden.”
(
Paulina, 14, aus Polen)

“Es nervt wenn Politiker, die überhaupt nicht wissen wie es sich anfühlt diskreminiert zu werden, sich auf ein Podium stellen und uns etwas über Integration erzählen.”
(Minh Hoa, 19, ihre Eltern kamen vor 27 Jahren aus Vietnam)

Ich glaube den meisten Migranten geht diese Debatte über Eingliederung ganz schön auf den Nerv. Sie wollen einfach nur wie jeder andere auch in Frieden leben, ihre Traditionen hoch halten und Neues entdecken. Das eigentliche Problem sind in meinen Augen nicht die Migranten sondern die vernagelten, mit Vorurteilen verseuchten Deutschen, die allem andersartigen und neuem misstrauisch und ablehnend entgegen treten. Es wird nicht funktionieren den Migranten unsere Kultur aufzuzwingen.

Vor 30 Jahren, als tausende Türken, Italiener und Griechen zu uns kamen um unseren Dreck weg zu machen gab es solch eine Diskussion meines Wissens nicht. Sie haben sich über die Jahre auch ohne Eingliederungstest integriert ohne ihre Herkunft zu vergessen. Der eine mehr, der andere weniger. Aber im Großen und Ganzen leben diese Leute mit uns in einer Gemeinschaft. Beide Seiten müssen es nur schaffen über den eigenen Tellerrand zu schauen, ohne Erwartungen, ohne Vorurteile! Dafür aber mit einer großen Portion Neugier!

Quelle der Zitate: Jugendzeitschrift “Spiesser” Ausgabe Nr. 124 / NRW. “Spiesser” gibt es auch online unter spiesser.de

4 Antworten zu “Stimmen zur Migration von Ausländern

  1. free sms

    Leider gibt es noch viel mehr solcher Äußerungen, wie z. B. “Wir waren den Ausländern gegenüber zu tolerant.” Edmund Stoiber (CSU). Von einigen Kommunalpolitiker bekommt man auch sehr schlimme Sachen zu hören, jedoch tauchen diese nicht in der Presse/Medien auf.

  2. Alex

    Zum thema empfehle ich hier einen satirischen Kurzfilm von Güclü Yaman. Der Film hat neulich den Aktion Mensch Kurzfilm Preis gewonnen.

  3. Herrlich zu diesem Thema passt auch das Theater “Gutes Wedding, Schlechtes Wedding”, das regelmäßig ausverkauft ist. Ich habe es gesehen, als ich frisch nach Berlin in den Wedding zog. Jedem Großstädter (und Hauptstädter) sei das Stück ans Herz gelegt.

  4. Pingback: Rentner-Netzwerk

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