Lkw-Fahrer gesucht

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In dem Artikel Lkw-Fahrer verzweifelt gesucht schreibt das Hamburger Abendblatt über einen Test der Arbeitsagentur für Arbeit mit dem schönen Namen “Job-Speed-Dating”. Firmen, die auf der Suche nach qualifizierten Lkw-Fahrern sind können schnell und unkompliziert in kurzen Gesprächen direkt bei der Arbeitsagentur Kontakt mit Bewerbern aufnehmen und Termine für ein Probearbeiten oder ein Praktikum vereinbaren.

Eine gute Idee, die bei allen Beteiligten auf positive Resonanz gestoßen ist. Doch mir geht es hier nicht darum, ob solch eine Aktion sinnvoll ist sondern viel mehr darum wie es zu diesem Mangel an guten Lkw-Fahrern überhaupt gekommen ist.
In dem Artikel werden dafür verschiedene Gründe aufgeführt. So bildet die Bundeswehr seit ca. zwei Jahren weniger Lkw-Fahrer aus und durch die erhöhten Anforderungen, die an das Fahrpersonal seitens des Gesetzgebers gestellt werden sind die Kosten für den Lkw-Führerschein extrem angestiegen.

Wer den Artikel im Abendblatt liest und sich ein paar Gedanken zum Berufsbild des Berufskraftfahrers macht wird noch einen Grund finden, der in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. Die schlechte Bezahlung (pdf-Datei) der Lkw-Fahrer!

Zur Zeit verdient ein Lkw-Fahrer nämlich im Schnitt gerade mal 1800,- € brutto. Das ist doch toll! Zum leben zu wenig und zum sterben zu viel. Mir selbst wurde vor vier Jahren mal eine Stelle im Fernverkehr angeboten. Das war eine feste Tour mit einem Sattelauflieger zwischen dem Containerumschlagplatz Köln Eifeltor und England. Da wäre ich maximal alle vierzehn Tage für drei Tage zu Hause gewesen. Meine Kinder hätten mich nach kurzer Zeit Onkel genannt und ich hätte mich gefragt warum im Bad auf einmal sechs statt fünf Zahnbürsten im Schrank hängen. Für diesen tollen Job wollte mir der Spediteur 1600,- € brutto zahlen zuzüglich der üblichen Spesen. Selbst inklusive der Spesen hätte ich da nicht das verdienen können was ich Heute verdiene. Und zur Zeit arbeite ich nicht mehr als zehn Stunden täglich und bin pünktlich gegen 16:00 Uhr zu Hause.

Dazu kommt noch das man als Lkw-Fahrer immer irgendwie mit einem Bein im Knast steht bzw. immer mal wieder Bußgelder bezahlen muss, weil der Lkw nicht für die Ladung geeignet ist (Ladungssicherung), die Lenkzeiten nicht eingehalten werden können (Terminfracht, schlechte Disposition) oder das Fahrzeug technische Mängel aufweist, der Chef aber nur sagt:” Immer weiter!”, weil er kein Geld für teure Reparaturen hat. Weigert man sich diese Risiken einzugehen winkt der Chef mit der Kündigung.

Vielleicht sollte sich der Gesetzgeber mal darüber Gedanken machen und mehr die Spediteure und Disponenten überprüfen anstatt immer nur den Lkw-Fahrer zur Kasse zu bitten. Auch die Gewerkschaften sollten sich mehr um die Belange der Lkw-Fahrer kümmern und Tarife aushandeln, die der Leistung von uns Brummifahrern gerecht werden.

Dann gäbe es eventuell auch wieder mehr Lkw-Fahrer, die bereit sind diesen anspruchsvollen, gefährlichen und zeitintensiven Job zu erledigen.

3 Antworten zu “Lkw-Fahrer gesucht

  1. Richtig. Genau meine Meinung.

    PS. Siehe auch hier >>”>

  2. Wenn ich mal einen Vergleich ziehe:

    Bei meinem früheren Arbeitgeber (das war in den 90ern) sind die Fahrer nicht unter 2.800,00 DEM NETTO nach Hause gegangen… zzgl Spesen!

    Mein Vater hatte, wenn er einen schlechten Monat hatte “nur” 3.500,00 DEM NETTO zzgl Spesen, ebenfalls in den 90ern…

    Daher: Ja, die Entlohnung der Fahrer MUSS wieder auf ein Niveau gebracht werden, wo man von Leben kann, stimmt das Geld, klappt es auch mit dem Nachwuchs in der Branche!

  3. Tina

    Mein PitMann ist im Fernverkehr unterwegs. Seit 30 Jahren bei der Firma, und das Auskommen ist ok. Allerdings sehen wir uns natürlich selten..
    Ich denke, dass die guten bzw. weniger guten Arbeitsbedingungen Firmenbedingt unterschiedlich sind. Und natürlich ist das ein Beruf, bei dem man viele Entbehrungen in Kauf nimmt. Was die Disponenten u.a. angeht, gebe ich dir völlig recht! Auch das eine Bein steht immer im Knast. Dazu kommt, daß immer noch zu wenig Parkplätze auf den Autobahnen ( zum Übernachten) sind, teilweise muss man sie sogar bezahlen.

    Doch…..niemals würde mein PitMann den Beruf wechseln wollen. Und ich habe mich natürlich gewöhnt alleine zu sein. Wir telefonieren, nach wie vor, mindestens 7 Mal am Tag. Es kommt immer darauf an, wie fest eine Beziehung ist. Das ist in allen Berufen so. Verstehen kann ich, daß junge Leute diesen Beruf nicht mehr ergreifen wollen. Die Arbeitszeiten will keiner mehr und die Bezahlung ist wirklich bei den meisten Firmen schlecht. Bei uns ist das eine Ausnahme.Unser Sohn ist in derselben Firma, allerdings auch als F.f. Lagerlogistik. Fahren will auch er nicht, weil er die Bedingungen natürlich kennt, ist er ja mit ihnen aufgewachsen.
    Lg Tina

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