Christen – eine eingeschworene Gemeinschaft

Die Kommunion von Jonas ist Geschichte und es wird Zeit zu schildern wie ich dieses Highlight seines jungen Lebens erlebt habe. Damit meine ich nicht nur den Sonntag an dem er das erste mal das Abendmahl bekommen hat sondern vor allem die letzten Monate der Vorbereitung.

Da meine Frau seine Geschwister damals auf diesem Weg begleitete lag es diesmal an mir dem Jungen Hilfestellung zu geben. Vor allem mussten Termine eingehalten werden, die Gruppentreffen mussten regelmäßig besucht werden und Elternabende fanden auch statt, an denen nicht gefehlt werden durfte.

Nun denke ich mal das es für einen gläubigen Katholiken eine leichte Übung ist alle diese Verpflichtungen einzuhalten, da der Ablauf fest in den Traditionen der Kirche verankert ist und die Eltern sich auskennen. Hier war mein erstes Problem. Da ich evangelisch bin konnte ich mit dem Primborium meistens nichts anfangen. Wenn es z.B. hieß das am soundsovielten die Palmwedel gebastelt werden wussten alle ganz automatisch das kleine Buchsbaumzweige erforderlich sind sowie Bindedraht und ein ca 70 cm langer Stock. Ich hatte davon keine Ahnung und musste immer nachfragen, wodurch ich von den anderen Eltern schief angesehen wurde und ich mich sehr unwohl auf diesen Treffen fühlte auch wenn mich alle immer sehr nett und zuvorkommend behandelten. Irgendwie gehörte ich nicht dazu.

Sonntags in der Kirche war es noch schlimmer da ich die Rituale der Katholiken nicht kenne. Die Predigten waren zwar immer sehr interessant und die Messen gestalteten die Priester auch locker und kindgerecht aber wenn du immer zum falschen Zeitpunkt aufstehst, nicht nach vorne gehst um ein Stück Brot zu essen und bei den Liedern nur brummst obwohl du eigentlich eine angenehme Bassstimme hast, den Text aber nicht kennst ist so ein Gottesdienst alles andere als schön.

Ich habe mir während der letzten Monate alle Mühe gegeben meinem Sohn bei seiner Vorbereitung zur Kommunion ein guter Partner zu sein und ihn in seinem Vorhaben zu unterstützen, doch es gab für mich keinen Moment in dem ich mich dazugehörig fühlte. Ich glaube dem Jonas ging es genau so da auch er seine liebe Mühe hatte an alle Kirchenregeln zu denken wenn es darauf ankam.

Da die Jugendarbeit der Priester hier vor Ort vorbildlich ist und auch die Lesungen mit anschließender Diskussion mit den Kids bei den Messen immer sehr locker, ja manchmal sogar lustig sind spielte ich zeitweise mit dem Gedanken mich einzubringen. Doch meine grundsätzliche Einstellung zur Kirche hat sich nicht geändert. Zu viel Unrecht ist im Namen des Herrn in der Geschichte und auch der jüngeren Vergangenheit geschehen. Daran ändert auch nichts das positive Engagement der Würdenträger hier vor Ort. So werde ich dieses Kapitel ein für alle mal abhaken und weiterhin ein bekennender Atheist bleiben. Wenn ich mich sozial engagieren will brauch ich nicht die Kirche dazu. Es gibt genug gemeinnützige Organisationen und Jugendtreffs wo ich helfen kann.


3 Antworten auf Christen – eine eingeschworene Gemeinschaft
  1. Monika   )
    sagt:

    Tja….dieses Thema ist eine grundsätzliche Frage, die ich für mich und meinen Sohn “damals” ganz einfach gelöst habe!
    Da ich mit der Kirche nichts anfangen kann, grundsätzlich Nichts mache weil “ES” eben “SO” gemacht wird…habe ich meinen Sohn zwar taufen lassen, aber eben nicht zur Kommunion geschickt. Auch wenn es wenige wissen ist dieses “Fest” durchaus nachholbar, sowie die Taufe eben auch. Ich wollte meinem Sohn nicht die Entscheidung abnehmen ob er sich der Kirche anschließen will, oder nicht. Er hat sich nun (er wird 25) gegen die Kirche entschieden.
    Oft ist es auch so das die Kinder nur mit zur Kommunion gehen wollen weil es da (angeblich) viele Geschenke gibt….nun, da spar ich doch als Eltern lieber das Geld für die Feier und kauf meinem Kind für das gesparte Geld etwas besonderes, als mich in die Kirche zu stellen obwohl es meiner Überzeugung nicht entspricht.
    Wenn ich mir die Bilder eurer Feier abnschaue glaube ich aber das es Jonas sehr gut gefallen hat, und das ist die Hauptsache!
    lg
    Moni

    :kiss:

  2. Andrea   )
    sagt:

    Das ist aber bei ausnahmslos jeder Gruppe so, ob Religion, Turnverein oder Freundeskreis. Es gibt immer bestimmte “Gruppenrituale” und sei es die Sitzordnung im Bus, die jemand der neu dazukommt erst einmal lernen muss. Bei Religionen sind diese Rituale halt grundsätzlich festgelegt, wie bei diversen anderen Gruppen auch. Man muss eben erst einmal den Verhaltenskodex lernen, bevor man ein Teil der Gruppe sein kann.

  3. Charisma sagt:

    Ganz meine Einstellung – habe gerade am Palmsonntag wieder einmal die Komm-kirche meiner Tochter besucht und festgestellt, daß ich in den sechs Jahren alles verlernt habe. :roll: Wobei ich auch damals schon manche Passagen (wir beten für die heilige röm. Kirche, den Papst, alle Heiligen …) bewusst ausgelassen habe. Das ‘Stückchen Brot’, wie Du es nennst, also die geweihte Oblate habe ich auch nicht geholt.
    Tägliches Christsein ist eben wichtiger als striktes Einhalten von Ritualen … :ok:

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Meta

publiziert am 23. 04. 2009
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