über den Leistungsdruck in der Blogosphäre

In den Kommentaren zu meinem letzten Artikel wurde ich gefragt warum ich die Weiterleitung der RSS-Feeds zu Feedburner deaktiviert habe. In meiner Antwort gab ich zu keine plausible Erklärung für mein Handeln parat zu haben. Ich weiß es nicht – wenigstens nicht genau.

Bereits in älteren Artikeln ließ ich durch blicken das ich momentan irgendwie auf Kriegsfuß mit meinem Leben, meinem Blog und der Blogosphäre stehe. Das liegt bestimmt nicht an euch, sondern an mir selber und den Ansprüchen, die ich an mich stelle.

Ok, ich will versuchen meine Gedanken zu ordnen und euch eine Erklärung geben.

Ich bin vernarrt in meinen Blog, schreibe gerne und relativ viel über alles was mich beschäftigt. So sollte es eigentlich sein und so war es auch als ich anfing mein virtuelles Tagebuch zu führen. In den Anfängen war die Erziehung unserer Kinder immer ein Thema, auch über mein Verhältnis zur Kirche, meine Arbeit und meine anderen Hobbies schrieb ich mir die Finger wund. Wer von meinen Stammlesern weiß schon das ich ein Aquarium habe, mich für Motorsport interessiere und Traumfänger bastel.

Dann tauchte ich immer tiefer ein in die Blogosphäre, beteiligte mich an Aktionen, schrieb über die Technik die dahinter steckt, soweit ich sie begriff. War neidisch auf andere Blogger die mit ihrer Kreativität was Aktionen angeht Erfolge feiern konnten. Schielte nach links und rechts was andere machen und versuchte selbst was auf die Beine zu stellen. Ich fing an auch Themen aufzugreifen die nicht meine waren. Anstatt einfach zu schreiben überlegte ich erst was euch interessieren könnte, was mehr Besucher auf meinen Blog lockt, mit welchen Artikeln, Schlagwörtern, Überschriften, Kategorien ich in den Suchergebnissen auf Seite eins lande.

Zeitgleich meldete ich mich bei allen möglichen Netzwerken an, vernetzte meinen Blog, schloss Freundschaften mit mir völlig unbekannten Personen, gab mich der Informationsflut, die diese Portale mit sich bringen, hin. Immer auf der Jagd nach Kommentaren, Besuchern und Backlinks.

Kurz und schmerzlos: Irgendwie hab ich den Bezug zu meinem Blog dadurch verloren, kann mich nicht mehr mit ihm identifizieren.

Ich will aber nicht aufhören zu schreiben, will wieder Spaß an meinem Blog haben, will wieder mit Leib und Seele über die Dinge schreiben die mich bewegen, aufregen, befriedigen. Die mich glücklich machen und zum lachen bringen. Will einfach nur über mein eigenes kleines Universum schreiben. Ganz egal ob es jemanden interessiert, ob meine Texte gelesen werden, ob einer einen Kommentar schreibt.

Darum kappe ich die Brücken zur Außenwelt. Darum findet ihr in meiner Sidebar nur noch die aktuellen Kommentare und einen Auszug aus meiner Blogroll.

Ich will mich nicht mehr ablenken lassen von Aktionen der Blogosphäre, von irgendwelchen Gimmicks “toller” Netzwerke, von meinem RSS-Reader oder von sonst wem.

Ich weiß das dies ein zweischneidiges Schwert ist. Das ich nun damit rechnen muss Leser zu verlieren, aus dem ein oder anderen Reader raus zu fliegen, das weniger Menschen bereit sind hier bei mir zu kommentieren, das mein Blog in der Versenkung verschwindet.

Aber dann ist das halt so. Dann ist das der Preis den ich zahlen muss für die “geistige” Freiheit, hier das zu schreiben was ich will und nicht zu schreiben was ein hohes Ranking bei den Suchmaschinen bewirkt.

Ich habe fertig!

Nachdem ich den Text nun Korrektur gelesen habe stelle ich fest das es immer noch brodelt. Es ist noch nicht alles gesagt, doch ich kann nicht mehr.

13 Antworten zu “über den Leistungsdruck in der Blogosphäre

  1. Durch diesen Artikel kann ich sehr gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst und was Deine Motivationen für Deine jetzigen Schritte sind. Und ehrlich gesagt finde ich das wirklich super! Nichts ist wichtiger, als dass man sich selbst treu bleibt und seine eigenen Ziele nicht aus den Augen verliert. Und wenn man dann doch feststellt, dass man irgendwie mit der Zeit den Faden verloren hat, dann “back to the roots”.

    Mich wirst Du definitiv nicht verlieren. Ich habe Deinen Blog ja schon sehr lange im Feedreader und dort bleibt er auch. Und jedesmal wenn mir danach ist bei Dir meinen Senf abzugeben, dann werde ich das auch weiterhin tun. Genau wie bisher.

    Wir Blogs leben nicht davon, im ständigen Konkurrenzkampf zu stehen, auf Biegen und Brechen etwas erreichen zu wollen. Ganz im Gegenteil meine ich, dass Blogs die so vorgehen mit der Zeit weitaus weniger Besucher haben, als Blogger die authentisch sind. Schließlich ist das was unsere Artikel ausmacht, was unsere Stammleser und Kommentatoren an uns lieben, unsere Persönlichkeit.

    In diesem Sinne: Ich stehe voll hinter Dir. LG Tanja (Crazy Girl)

  2. Danke für diesen Artikel!

  3. Ich lese hier ja noch nicht lange mit – bin also (noch) kein Stammleser ;)
    Ich kann deine Gedankengänge auch absolut nachvollziehen da ich mit meinem Blog und der Bloggsphäre das fast alles ganz genauso durch gemacht habe. Nur habe ich nicht drüber geschrieben – habe mich einfach ein bisschen rarer gemacht und habe so gemerkt das es auch ohne Druck geht.
    Raus geschmissen habe ich niemanden – die Leute melden sich schon von selbst ab wenn es ihnen langweilig wird *g*
    Bin gespannt wie du weiter machen wirst :)

  4. Ganz egal ob es jemanden interessiert, ob meine Texte gelesen werden, ob einer einen Kommentar schreibt.

    Zieh es genauso durch, das ist das einzig richtige :-)
    Und dabei kannst Du dir sicher sein – es wird interessieren, gelesen und kommentiert werden!

  5. Ich kann mich Marc nur anschliessen. Einfach nur drauf los tippen was dich beschäftigt, du magst, du bist!
    Ganz egal ob es jemanden interessiert. Gerade dann ist das Interesse grösser als bei erzwungen Artikel mit denen man sich quält etwas zu erreichen…

    Lieben Gruss am 1. Adventsonntag, Michaela

  6. Kim ·

    Zunächst einmal: Danke für deine Ehrlichkeit und die erläuternden Worte. Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder, besonders diejenigen, die noch “neu” sind, nachempfinden kann, was in dir gerade vorgeht bezogen auf dein Blog.

    Ich persönlich kenne diese Situation nur zu gut.

    Deine Entscheidung, hier mal ein wenig “aufzuräumen” und dich auf den Kern der Sache zu konzentrieren, ist sicherlich richtig und unterstützenswert. Schließlich geht es nicht um uns Leser, sondern es geht um dich! Du musst dich bei dem, was du tust, glücklich fühlen.

    Ein Blog zu führen mit dem Gedanken des Drucks im Nacken, ist sicherlich nicht der Weg, der dieses begünstigt, daher kann ich deine Gedanken vollkommen nachvollziehen und unterstütze sie auch!

    Tu, was DU für richtig hältst und nicht, was andere denken, was gut für dich ist.

    Die Leser, die dich zu schätzen wissen (wie z.B. ich) werden dir auf jeden Fall treu bleiben!

  7. Hmm, im Prinzip ist es doch einfach. Entweder man bloggt, oder man bloggt nicht! Wenn man sich dafür entscheidet stehen einem alle Türen offen. Man kann über Gott und die Welt berichten: ob man einen Bausparvertrag in Tripsdrill hat, gersten abend wegen Turnschuhen nicht in die Disco kam, das Benzin zu teuer ist, der Boss der letzte Vollhonk südwestlich der Alpen ist, und was weis ich noch alles. Themen gibt es doch genug.

    Oder man spezialiert sich auf etwas was einem liegt, Hobbys z.B. : Aquarien und Terrarien bauen, die nexte DSDS Karriere aufbauen, Backrezepte online stellen, auch hier tausend Möglichkeiten.

    Und wenn man sich mit dem Gedanken trägt zu bloggen um Reich zu werden, irgendwann vom Bloggen leben zu können, dann bloggt man nicht mehr für sich selbst, sondern für Google und optimiert auch seine Texte nicht mehr für den Leser, sondern für Google, aber dann könnte man ja auch gleich ein SEO Blog starten :-)

    Kurzum, es ist Dein Leben, es sind Deine Geschichten, es ist DEIN Blog! Have Fun :-)

    (Räschdscreibfähler sind gewollt und Kommas werden per Salzstreuer im Text verteilt)

  8. Ist doch alles total normal was Du da denkst.

    Mach was Du willst. Ist doch Dein Leben und wer will wird Dir schon folgen und das auf allen möglichen Wegen.

  9. Also ich kann deine Entscheidung voll und ganz verstehen und finde sie gut und richtig, was mich aber absolut nicht davon abhalten wird, weiter bei dir zu lesen und ab und zu auch meinen Senf dazu zu geben.

  10. @ all: Vielen Dank für euer Feedback!

  11. Finde ich gut. Hauptsache du fühlst dich auf deinem Blog wohl und bleibst dabei “ident”. Also ich kann dich da echt gut verstehen. Und ehrlich gesagt, lese ich genau solche Texte momentan schon öfters in der Blogszene.
    Es ist DEIN Blog , also hab Spass damit, wie du es willst! Liebe Grüsse

  12. Vielen Dank für Dein ehrliches Statement. Ich kann Dich sehr gut verstehen. Schon so manches mal habe ich gedacht, wenn ich in einigen Blogs gelesen habe, wie sehr sich der oder die Blogger/in unter Druck gesetzt hat: “Uiiii, mutet er/sie sich nicht zu viel zu? – Hoffentlich geht das gut”. Ich werde Dein Blog auch weiterhin lesen.

    Ich sehe Deinen Beitrag hier, als kleines “Mahnmal” für uns alle.

    Bleib wie Du bist, verbieg Dich nicht und lass es erst einmal ruhig angehen, die Adventszeit passt gerade gut, um sich ein wenig auf das wesentliche zu besinnen.

    Liebe Grüße,
    Michaela

  13. Der Feedburner Counter ist halt so ein Statement. Erstbesucher sehen sofort “oho, das muss ja ein wichtiger Blog sein” aber gleichzeitig schafft man sich selbst Druck und schaut ständig auf die Zahlen. Ist keine optimale Situation, weil man einen Blog ja eigentlich zum Spaß betreibt, aber es spornt an.

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