Heute wurden den ganzen Tag im Radio, ich glaube es war bei WDR 2, Prominente interviewt zum Thema Wiedervereinigung, speziell zu den Ereignissen am 09.11.1989 – Heute vor zwanzig Jahren. Der Moderator wollte immer das Gleiche wissen. "Was haben Sie an dem Tag gemacht?" "Wie haben Sie davon erfahren?" " Was dachten Sie als Sie davon erfuhren?" "Was haben Sie gefühlt?"
Da hab ich dann mal selber versucht mich an diesen Tag zu erinnern, der das Ende der DDR einläutete. Was soll ich sagen? Ich weiß nichts mehr von diesem denkwürdigen Ereignis. Zu der Zeit war ich bei der Bundeswehr als Zeitsoldat. Wie, wann und von wem ich von dem Fall der Mauer hörte kann ich beim besten Willen nicht sagen. Auch weckt das Ereignis keine Gefühle in mir. Klar war es bewegend die Bilder im Fernsehen zu sehen, ich hab mich für die wunderbaren Menschen gefreut, die endlich in Freiheit leben können und das wieder eine Grenze weniger existiert aber sonst war da nichts. Auch Heute ist da nichts. Da werden bei mir keine Emotionen frei, weder negative noch positive. Es ist halt wie es ist – Ende.
Anders war es ein paar Monate später, als Aus -und Übersiedler aus der ehemaligen UDSSR in unserer Kaserne ihr einstweiliges Quartier bezogen. Da ich nach Dienstschluss während der Woche nicht nach Hause fuhr kümmerte ich mich in meiner Freizeit zusammen mit einem anderen Unteroffizier um die Leute. Das waren ergreifende Momente wenn die sich stundenlang die Nase an irgendwelchen Schaufenstern platt drückten, alte gammelige VW Golfs am Straßenrand bestaunten oder völlig aus dem Häuschen waren als sie die erste Pepe Jeans in Händen hielten. Es dauerte Wochen bis das sie begriffen das wir zwei als Privatmänner zu ihnen kamen und nicht als irgendeine Instanz des Staates. Wir mussten tagelang erklären das sie die Kaserne jederzeit verlassen konnten, das sie keine Gefangenen seien und der Stacheldraht oben auf dem Zaun nicht wegen ihnen da war. Da werden auch Heute noch Emotionen frei wenn ich daran zurück denke. Weit mehr als bei der deutschen Wiedervereinigung.




Ich weiß noch wo ich gewesen bin. Ich war in meiner kleinen Butze im Langeland. Ein Wohnheim mit vielen Zivis und Krankenpflegeschülern. Nachts war es extrem laut und in der Nacht vom 9 auf den 10.11 war in dem Haus totale Party. Emotionen hatte ich keine, für mich war das alles weit weg, da wir keine Verwandten in der ehemaligen DDR hatten. Interressant wurde es für mich erst als ich im Frühjahr 1990 in Berlin war.
Ich werde wahrscheinlich mit Playmobil gespielt haben oder so: Mit 3 Jahren nimmt einen das nicht so mit
Mich hat die ganze Geschichte nicht so bewegt. Ich weiß gar nicht, was ich an dem besagten Tag gemacht habe. Das war für mich ein Tag wie jeder andere. Lag wohl auch an der weiten geographischen Entfernung zum “Mauer-Territorium”.