Quantität vs. Qualität

Es geht mal wieder im Endeffekt darum warum der durchschnittliche, leidlich begabte aber dennoch wunderbare Mensch auf die Idee kommt seine wirren Gedanken mit Hilfe eines Weblogs unters Volk zu bringen und wie wichtig es ihm dabei ist ob seine geistigen Absonderungen Beachtung finden bei der breiten Masse und bei Gleichgesinnten im Besonderen.

Neulich erzählte mir ein guter Freund, das sich seine Besucherzahlen innerhalb kürzester Zeit mehr als verzehnfacht haben. Im Laufe des Gesprächs erklärte er dann das auch seine Reputation erheblich gestiegen ist. Er setzt also sein Ansehen in der virtuellen Welt mit der Besucherzahl seines Blogs in Relation und leitet daraus ab das er nun einen besseren Leumund hat als noch vor ein paar Wochen.

Auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar. Denn die Leute besuchen ja nur Webseiten, wenn die Inhalte lesenswert sind und der Autor im Idealfall die Neugier der Besucher weckt.

Doch auf den zweiten Blick glaube ich das nicht. Denn ein entscheidender Faktor fehlt in dieser Gleichung – die Qualität! Kurzzeitig kann nämlich jeder seine Besucherzahlen in die Höhe schrauben, z.B. durch den geschickten Einsatz der von Sagen umwobenen SEO-Optimierung oder in dem er ganz einfach nur über aktuelle Themen der Zeit schreibt. Dies ist total einfach. Braucht man doch nur die Meldungen der Yellowpress zu nehmen, ein wenig umzuschreiben und fertig ist der Content, der einem viele Besucher beschert.

Ich bin der festen Überzeugung das solch eine Vorgehensweise eher kontraproduktiv ist und der Schuß gehörig nach hinten los geht. Die Leser / Besucher sind schließlich nicht blöd und merken sehr schnell das da nur nachgeplappert wird. Logisch, das diese kein zweites Mal den Weg zu einem finden.

Aber warum ist es eigentlich so wichtig möglichst hohe Besucherzahlen verbuchen zu können? Klar, wer so wie ich Artikel für Trigami schreibt sollte schon ein paar regelmäßige Besucher haben, sonst lohnt sich der ganze Aufwand nicht, sowohl für einen selbst als auch für Trigami. Also spielt das liebe Geld mal wieder eine Rolle.

Gibt es denn sonst noch Gründe für möglichst hohe Besucherzahlen? Klar! Je mehr Besucher, desto mehr Kommentare – das so sehnsüchtig erwartete Feedback, das Salz in der Suppe für jeden eingefleischten Blogger.

Und sonst? Gibts noch mehr? Mir fällt kein weiterer Grund ein. Ich würde hier auch weiter meinem Hobby frönen wenn nur 50 wunderbare, mit einem erlesenen Geschmack gesegnete Menschen meinen Blog beachten würden. Mir macht es einfach Spaß zu schreiben, meine Gedanken dadurch zu ordnen. Ich denke auch das meine eigene Reputation bei den Leuten, die meinen Feed abonniert haben recht hoch ist. Einfach weil ich, von den Trigami-Artikeln mal abgesehen, nur über die Dinge schreibe die mich beschäftigen, die mir keine Ruhe lassen und die ich für wichtig halte. Dadurch ist mein Blog authentisch, er lebt, hat Charakter.

Fazit: Ein Weblog bzw. die Person die dahinter steht kann eine wesentlich bessere Reputation auch bei geringen Besucherzahlen haben als die Person, die einen Blog betreibt mit dem Vielfachen an Besuchern.

Seh ich das richtig?


6 Antworten auf Quantität vs. Qualität
  1. Lutz Balschuweit   )
    sagt:

    Seh ich das richtig?

    Ja

  2. Andrea   )
    sagt:

    Das siehst Du (wie überhaupt ziemlich oft) genau richtig.

    Mir ist diese Jagd nach hohen Besucherzahlen ziemlich suspekt. Mein Blog schreibe ich in erster Linie für mich und für ein paar nette Leute die interessiert was ich so mache.
    Wenn das mal so interessant werden sollte, dass es ein paar mehr Leute lesen, dann bin ich natürlich nicht böse. Aber meine Intention ist jedenfalls nicht, möglichst hohe Besucherzahlen zu haben, mit meinem Blog Geld zu verdienen oder auf Journalist zu machen. Aus einem Trabi macht man auch keinen Formel1 Wagen. ;)

  3. Neri sagt:

    Die hohen Besucherzahlen lassen sich mit der Yellowpress-Schiene schon sehr gut halten. Und sogar Geld kann man damit ganz gut machen – gibt’s ausreichend Beispiele für. De facto kommt ja ein Großteil der Besucher selbst bei uns “Privatbloggern” immer noch über Suchmaschinen. Da spielt es im o.g. Fall keine Rolle, welche Qualität die Artikel haben.
    Nichtsdestotrotz: Eben dieses Konzept fällt für mich NICHT unter das Schlagwort “Bloggen” – wenngleich auch ein WordPress o.ä. unter der Motorhaube schlumern mag.
    Ein nicht zu verachtender qualitativer Aspekt des echten Bloggens ist für mich neben Feedback und den paar Cent, die sich so zur Deckung der eigenen Kosten erwirtschaften lassen auch der eigene Anspruch! Irgendwie ist doch jeder Text auch wirklich ein “Werk”. Vielleicht nicht immer ein Kunstwerk, aber doch etwas Kreatives…

    LG, Neri

  4. Luigi   )
    sagt:

    @ all: Danke für eure Stellungnahmen. Ich hoffe, mein Freund liest hier mit und zieht seine Lehren daraus. Es wäre extrem schade wenn sein Blog verkommen würde.

  5. Wortman sagt:

    Du siehst es richtig!

    Mein Blog ist privat, ich fröne dort meinen Hobbies, Erzähle, zeige, was mich so interessiert. Meine Statistik zeigt so auf und an zwischen 300 und 400 Besucher pro Tag. Das ist weitaus mehr, als was ich jemals erwartet habe.

    Ich will kein Geld mit meinem Blog verdienen – in dem Sinne interessieren mich weder Rankings noch irgendwelche Möglichkeiten zum Pushen von Statistikzahlen.

  6. Julia   )
    sagt:

    @ Luigi: ja, du siehst es richtig, die Leute mit den vielen Besucherzahlen aber auch, wie ich finde. Es ist irgendwie beides wichtig und es bedingt sich auch einander. Wenn jemand gut und authentisch bloggt, sich offen und freundlich zeigt, wird er auch automatisch in der Beachtung steigen. Das lässt sich nicht erzwingen, zumindest nicht der menschliche Faktor. An der SEO-Optimierung und diesen Dingen kann man wohl sehr viel machen, aber das sind doch immer nur kurzfristige Effekte und nichts, was einen wirklich weiterbringt, ganzheitlich gesehen. mfg, Julia

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publiziert am 25. 09. 2009
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